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Artikel Sascha
Langner: Viral Marketing
Sascha Langner: Viral Marketing - Buchrezension
Von Karsten Büttner
Klassische
Werbung ist zu teuer. Insgesamt können 75 Prozent der Marketingausgaben
keinen erkennbaren Nutzen nachweisen. Die vielzitierte Werbeflut
rauscht vielfach am Konsumenten vorbei. Vor diesem Grund macht
ein Nachdenken über andere Ansätze auf Produkte und Leistungen
aufmerksam zu machen Sinn. Viral Marketing ist so ein Ansatz.
Mit einem besonders krassen Beispiel macht Sascha Langner deutlich,
was es bedeutet, Marketingetats falsch einzusetzen: Da gibt das
Energieunternehmen e-on 90 Millionen Euro aus, um Kunden für einen
Energiemix zu gewinnen. Am Ende entscheiden sich nicht einmal
1.000 Kunden für das Produkt. Damit hat jeder Neukunde etwa 90.000
Euro gekostet.
Wenngleich sich seit Jahren eine Reihe von Agenturen auf virale
Marketingaktionen im deutschsprachigen Markt spezialisiert haben,
so wenig verläßliche Hintergrundinformationen gibt es zumindest
in deutsch und für den deutschsprachigen Markt. Vor diesem Hintergrund
stößt Sascha Langners Buch - wie ein klassischer Virus - in ein
Vakuum.
Sascha Langner hat mit Viral Marketing ein Praxisbuch geschrieben,
das beleuchtet, unter welchen Bedingungen Viral Marketing eine
Alternative zu herkömmlichen Aufmerksamkeitsstrategien darstellt.
Mund-zu-Mund-Propaganda ist die effektivste Werbung, postuliert
der Autor. Denn: "In fast allen Konsumsituationen vertrauen die
Konsumenten lieber Empfehlungen, Tipps und Ratschlägen von Personen,
die nicht auf der Gehaltsliste der jeweiligen Unternehmen stehen."
Viral Marketing gilt als systematisches Instrument, um die Mund-
zu-Mund-Kommunikation in Gang zu setzen und zu kontrollieren.
Dabei stellt das Konzept Bezüge zu biologischen Prozessen her.
Das zentrale Erfolgsmoment entstammt demnach einem evolutionären
Prinzip: nämlich der Orientierung am Rudel. Denn diese Orientierung
sichert das Überleben. Das heißt, um sich schnell in einer unbekannten
Situation oder komplexen, fremden Welt zurecht zu finden, ist
es am einfachsten, sich an der Masse auszurichten. Dass sich Menschen
(Lebewesen) am Rudel orientieren, hängt mit der Fähigkeit zur
Nachahmung zusammen.
Aber, und das ist zunächst einmal der entscheidende Faktor, wenn
das Rudel zum Orientierungspunkt werden soll, muss eine kritische
Masse erreicht werden. Dabei ist in erster Linie nicht die Zahl
entscheidend, sondern die Qualität der Kontakte.
Es sind die zentralen Vermittler, die - um im Bild zu bleiben
- im Rudel den Ton angeben, und die Meinungsbildung vorantreiben.
In Beziehungsnetzwerken sind sie die Superknoten, die besonders
viele Netzwerkkontakte haben.
Wie ist das Buch Viral Marketing aufgebaut?
In den ersten 5 Kapiteln bietet der Autor einen Überblick, wie
virales Marketing entsteht und was die zentralen Erfolgsfaktoren
sind. Ergänzt wird die Thematik noch durch die Betrachtung von
gezielten Gerüchten als Instrument und Gefahrenmoment. Über ein
Drittel des Buches erläutert Langner in Fallstudien, wie die jeweiligen
Projekte angelegt wurden, welche Erfolge erzielt wurden und welche
Lehren aus diesen Kampagnen gezogen werden können.
Im Kapitel Planung und Umsetzung einer Viral-Marketing-Kampagne
erläutert Langner die Effizienz verschiedener Überträgerformate.
So geht er differenziert auf die Vorteile und Grenzen von E-Mail
ein. Zwar sei die E-Mail ein hervorragendes Medium, was die schnelle
Weiterleitung und hohe Reichweite miteinander verbände. Doch eine
reine Beschränkung auf die E-Mail berge die Gefahr der Veränderung
einer gewünschten Botschaft, ohne dass der Auslöser diesen Prozess
berichtigen könne. Außerdem stellten E-Mail- Anhänge immer wieder
eine Gefahr dar, von Mailfiltern gelöscht zu werden.
Schließlich erläutert er den zentralen Erfolgsfaktor, die kritische
Masse authentisch anzusprechen. Wie dieses am besten zu bewerkstelligen
sei, filtert er aus einer Vielzahl untersuchter Kampagnen heraus
und bietet dem Leser einen konkreten Handlungsrahmen an.
In den Fallstudien stellt er kritisch dar, was die Erfolge und
Mißerfolge ausgemacht haben, welche Lehren aus den jeweiligen
Kampagnen zu ziehen sind.
Was macht das Viral Marketing für Online-Marketer interessant
Grundsätzlich ist virales Marketing unabhängig vom Medium. Doch
nur das Internet bietet eine Vielzahl an Vorteilen gegenüber anderen
Kanälen wie persönliche Kontakte, Telefon, Radio, Fersehen oder
Printprodukten.
Denn zunächst ist beim Internet die Schnelligkeit, mit der sich
Informationen verbreiten, zu nennen. Typische Medien dafür sind:
E-Mail, Foren, IRC-Chats, RSS-Feeds, Weblogs, Verbraucherportale.
Zusammenfassend lassen sich für das Internet als Vorteile im viralen
Marketing anführen: Multimedialität, Möglichkeit zur automatisierten
Interaktivität, persönlichen Interaktivität, Individualisierung
und eine effiziente Erfolgsmessung.
Insgesamt ist das Buch sehr klar strukturiert, didaktisch gut
aufbereitet. So bietet es z.B. durch Kapitelzusammenfassungen
Lesern mit wenig Zeit einen schnellen Überblick über die Thematik.
Für mich zählt Viral Marketing auf alle Fälle zu den Büchern,
die man als Online-Marketer in seinem Bücherregal (und gelesen!)
haben sollte.
So wünschenswert für ein Praxisbuch sicherlich noch mehr Hinweise
auf spezielle Portale für virale Marketingprodukte gewesen wären,
so wenig kann zur Zeit im deutschsprachigen Raum dort angeboten
werden. Denn noch sind die Beispiele erfolgreicher Kampagnen im
deutschsprachigen Raum rar. Vielleicht bietet das Buch genug Anregungen,
sich mit der Thematik näher auseinanderzusetzen und einfach einmal
mehr zu wagen. Schließlich wird man dabei nicht gleich 90 Millionen
Euro in den Sand setzen.
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Marketing von Sascha Langner
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