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Artikel Was
sich im Internet nicht verkaufen läßt
Was sich im Internet nicht verkaufen läßt
Von Karsten Büttner
Sagen
wir es mal hanseatisch-diplomatisch: Ich wundere mich doch ein
wenig, wenn ich lese, dass man "alles" über das Internet verkaufen
könne. So lange dieses nur die Meinung eines euphorischen Jungjournalisten
ist, geht das als Meinung noch durch. Wenn jedoch Vertriebsleiter
auch dieser Idee anhängen, dann weiß ich: es gibt noch viel zu
tun.
Vor ein paar Tagen hatte ich eine Anfrage von einem Unternehmen,
das eine Art Halterung für eine exotische Frucht über das Internet
verkaufen wollte. Als Mitnahmeartikel für nicht einmal vier Euro
war das Produkt offenbar in stationären Geschäften gut angenommen
worden.
Dann verfiel man im Unternehmen auf die Idee, diesen Artikel
über das Internet zu verkaufen. Nach drei Monaten kontaktierte
mich der Vertriebsleiter nun, dass der Verkauf nicht ihren Erwartungen
entspräche. Ob Online-Marketing-Praxis helfen könne.
Nun, eigentlich war die Sache nach zwei Minuten schon klar. Mit
einem Verkaufspreis von 3,70 Euro inklusive Versand (!) und fehlenden
Anschlussprodukten war die Idee von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Eine Recherche von einer halben Stunde und eine Prise gesunder
Menschenverstand hätten ausgereicht, um zu erkennen, dass ein
Onlinevertrieb unter diesen Vorzeichen nicht klappen kann. Das
Schöne daran: aus diesem Beispiel können wir was lernen.
Sie können nur finden, was Sie suchen können
Nehmen wir einmal die Ausgangssituation: Wir haben ein Produkt,
für das es keinen einfachen, umgangssprachlichen Ausdruck gibt.
Mit "Halterung" ist das Produkt eben nur unvollkommen beschrieben.
Zwar wird das Produkt in den Kern der Frucht gebohrt, doch würden
Sie nach einem "Fruchtkernbohrer" suchen? Um genau zu sein, kaum
jemand kommt wirklich auf die Idee nach diesem Gegenstand zu suchen.
Damit haben wir schon einmal eine schlechte Ausgangssituation.
Oder anders gewendet: Wer im Internet gefunden werden will, benötigt
1. ein Angebot, das gesucht wird
2. das eine Lösung für ein - im weitesten Sinne - Problem darstellt
3. ein Angebot, das mit Umgangssprache einfach beschreibbar ist
Natürlich gibt es auch für solche Herausforderungen Lösungen.
Rein theoretisch jedenfalls. Mit Anzeigen und Öffentlichkeitsarbeit
können Sie auf Angebote aufmerksam machen, auf die die Welt vielleicht
nicht unbedingt gewartet hat, die aber dennoch für einige Zielgruppen
einen Nutzen versprechen.
Falscher Preis
Mit 3,70 Euro bzw. 7,40 Euro in Geschenkverpackung inklusive Versandkosten,
wird die Gewinnmarge selbst bei geringsten Produktionskosten einfach
vom Marketing getilgt.
Best Case Szenario (oder: schön gerechnet)
Nehmen wir den bestmöglichen Fall an, dass wir den Gegenstand
mit Suchbegriffen beschreiben können, die einerseits häufig genug
angefragt und - o Wunder - für 5 Cent pro Klick eingekauft werden
können. - Alle anderen Werbeformen sind schlicht teurer und kommen
m.E. nicht in Frage.
1.000 Klicks bekommen wir pro Tag und zahlen dafür schlappe 50
Euro.
Glatte 4 Prozent klicken zu uns durch und 2,5 Prozent kaufen das
Produkt. Das heißt: wir haben 25 Kunden. Die sind so begeistert,
dass sie gleich jeder zwei Stück kaufen.
| Umsatz |
3,70 € x 2 x 25 = |
185,00 €
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| -Produktionskosten |
0,05 € x 25 = |
- 1,25 €
|
| -Anzeigenkosten |
|
- 50,00 €
|
| -Versandmat. |
0,15 € x 25 = |
- 3,75 €
|
| -Porto |
0,70 € x 25 = |
- 17,50 €
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| Rohgewinn |
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112,50 €
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Von 112,50 € pro Tag müssen aber Löhne, Gehälter, Website,
Shop, Büromiete etc. gezahlt werden.
Sie sehen, selbst wenn man sich dieses Projekt schön rechnet,
bleibt unter dem Strich nicht viel übrig.
Fehlende Anschlussverkäufe
Was in unserem Beispiel noch schwerer wiegt, ist die Konzentration
auf ein einziges geringpreisiges Mitnahme-Produkt. Wenn es sich
nicht um ein Verbrauchsprodukt handelt, das automatisch wieder
geordert wird, dann müßten in diesem Fall zumindest weitere, gewinnträchtigere
Produkte an die Erstkäufer abgesetzt werden. Fehlen diese, hat
der Händler einen großen Teil seiner Marketinggelder verschwendet.
Er hat in unserem Fall nichts für die Interessentbindung getan,
so dass er für 975 Besucher gezahlt hat, die nie bei ihm kaufen
werden.
Er hat außerdem pro Kunde 2 Euro gezahlt, aber damit nur einmalig
7,40 Euro Umsatz (!) gemacht.
Wenn Sie jetzt glauben, ich hätte mir für diesen Marketingartikel
nur einen Popanz ausgedacht, lade ich Sie ein, mir zu schreiben.
Ich verrate Ihnen die URL.
Fazit
Nicht alles, was sich im stationären Handel verkaufen läßt,
ist auch für den Online-Handel tauglich. Verkaufen im Internet
ist zwar nicht komplett anders. Aber es gibt andere Rahmenbedingungen.
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