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größten Fehler beim Newsletter-Marketing
Die größten Fehler beim Newsletter-Marketing
Von Karsten Büttner
Newsletter
sind ein Muss in der Online-Kommunikation. Doch in vielen Unternehmen
fällt die Erfolgsbilanz von Newslettern eher schlecht aus. Allerdings
kann das Instrument Newsletter an sich wenig dafür. Erfahren Sie,
wo die größten Fehler liegen und wie sie sich vermeiden lassen.
E-Mail hat seit 2003 an Effizienz verloren. Die Klickraten der
frühen Jahre sind schöne Anekdoten. Da kommt es gerade recht,
dass die eigenen Zweifel am Sinn eines Newsletters durch RSS,
Podcasting und Blogs bestärkt werden: Ist der Newsletter, ist
E- Mailmarketing angesichts von Spam nicht bereits gescheitert?
Doch E-Mail ist eine gute Wahl, wobei sich auch im Online- Marketing
die Erkenntnis des "Multichannelling" durchgesetzt hat. Das meint
nichts anderes, als dass wir den Kunden über mehrere Kanäle ansprechen
müssen. RSS kann dabei beispielsweise ein zusätzlicher Kanal sein,
um auf unser Angebot hinzuweisen.
Der Newsletter als Teil des E-Mail-Marketings ist (und war) dann
erfolgreich, wenn er im Zusammenspiel mit anderen Kanälen verstanden
wird. Und dann kann er nach wie vor eine mächtige Wirkung entfalten.
Warum ist der Newsletter das mächtigste Kommunikationsmittel?
Hunderte, tausende Besucher kommen auf Ihre Website. Sie kommen
aus unterschiedlichen Motiven. Sie alle sind aber aus einem Grund
auf Ihre Website gekommen: Sie haben eine Lösung für Ihr Problem
(Thema ihrer Suchanfrage) gesucht.
Ein Teil dieser Besucher qualifiziert sich für Ihre Lösungsangebote.
Nicht jeder wird aber gleich zum Käufer. Es gibt zig Gründe, Ihre
Website (und die der anderen) schnell wieder zu verlassen.
Als Unternehmen muss es Ihnen gelingen, die Interessierten dauerhaft
anzusprechen. Und - das mag im ach so egalitären Netz autoritär
klingen - Sie müssen die Kommunikationskontrolle haben. Ganz pragmatisch
gesagt: Sie brauchen auf legalem Wege die E- Mailadressen der
Interessierten.
Dafür müssen Sie aber einen Gegenwert anbieten. Ein kostenloser
Newsletter an sich ist heute überhaupt kein Wert (mehr). Von den
mehreren tausend deutschsprachigen Newslettern, von denen etwa
3.000 in Newsletterverzeichnissen erschlossen sind, haben Otto
Normalo und Martina Mustermann jeweils 16 Newsletter abonniert.
Auch wenn der Newsletter kostenfrei ist, Aufmerksamkeit ist nicht
teilbar, der Tag hat nur 24 Stunden. Sie müssen einen guten, einen
sehr guten Grund liefern, warum jemand Ihren Newsletter auch noch
abonnieren soll.
Also, doch keinen Newsletter?
Doch, doch. Und nicht aus Trotz oder weil es Wettbewerber auch
tut, sondern weil er bei Ihnen eine strategische Funktion übernimmt.
Allerdings muss diese erst einmal definiert werden.
1. Problem: Fehlende Integration in der Gesamtkommunikation
Einem Problem begegneten wir bei der Analyse von Newslettern:
der Newsletter stellte sich vielfach als Marketinginsel heraus.
Das heißt: Andernorts versuchte man durchaus mit verschiedenen
Marketingmitteln Aufmerksamkeit und Interesse zu erzeugen. Doch
der Newsletter schien mit seinen Themen und seinen Zielen überhaupt
nicht auf die anderen Marketingmaßnahmen Bezug zu nehmen.
Ein Newsletter hatte sich die Aufgabe gesetzt, im Bereich Versicherungen,
sowohl Privat- als auch Geschäftspersonen gleichermaßen anzusprechen
und dabei sowohl Interessenten als Kunden zu bedienen. Neben Interesse
halten und Kundenpflege wollte der Newsletter "eigentlich" auch
noch Versicherungsleistungen verkaufen. So ein Newsletter konnte
nur scheitern.
Beispiel Newsletter Assekuranzwirtschaft
Die Bandbreite in der Assekuranzwirtschaft reicht hier vom Newsletter
der Direktversicherer, der vorkonfigurierte Versicherungsleistungen
per Hardselling an Mann und Frau bringt bis zur Publikation, die
mit einem bunten Themenstrauß daher kommt, der der Bäckerblume
entstammen könnte, aber wenig Gespür für die Zielgruppenbedürfnisse
erkennen läßt.
In der Versicherungswirtschaft macht sich insbesondere bemerkbar,
dass zwar das Ziel vorhanden ist, Interessenten und Kunden gleichermaßen
zusätzliche Leistungen zu verkaufen, doch der Weg höchst unklar
bleibt.
Größte strategische Fehler:
- Hinter etlichen Teasern stehen keine speziellen Landeseiten,
sondern allgemeine Texte.
- Die Texte der Landeseite sind zu wenig zielorientiert: es fehlt
beispielsweise die Funktion, Interessenten dazu zu bewegen, per
E-Mail weitere Informationen anzufordern.
- Unklare Aufgabe, ob die beworbene Leistung online oder über
Versicherungsvertreter erhältlich sein soll.
- Fehlende Follow Ups für alle, die sich für ein bestimmtes Angebot
interessiert haben. Hier fehlt meist die Voraussetzung, weil die
Linkspur der Nutzer (Linktracking) nicht verfolgt wird.
Man mag darüber streiten, ob ein aggressives Direktmarketing gut
für Versicherungsleistungen ist. Aber Cosmos direkt läßt keinen
Zweifel daran, was der Newsletter erreichen soll. Wer auf einen
der Newsletterlinks kommt, landet auf einer Seite, die einfach
darauf ausgerichtet ist, die beworbene Versicherungsleistung zu
verkaufen. Klares Angebot, klares Ziel, klare Maßnahmen.
Ein Branchenkenner berichtet, dass der Newsletter mit der Umstellung
auf Hardselling eine ganze Reihe Abonnenten verloren habe. Doch
die Verkaufszahlen aus dem Direktmarketing seien eindeutig positiv.
Oft jedoch ist es gerade für traditionelle Versicherer nicht opportun,
den Newsletter als einen reinen Verkaufsletter zu gestalten. Auch
hier muss wieder die Gesamtkommunikation betrachtet werden. Denkbar
ist es ja auch hier, mit Follow Ups diejenigen anzuschreiben,
die sich für bestimmte Leistungen interessieren.
Wenn das Geschäft und der Verkauf jedoch weiterhin persönlich
laufen soll - und für eine Reihe von Leistungen spricht Einiges
dafür - dann muss eine zentrale Aufgabe des Versicherer- Newsletters
die Erlaubnis zum telefonischen Kontakt durch einen Mitarbeiter
sein.
Für Bestandskunden ist der Newsletter meist ein "Nett-zu-haben-
Produkt". Wenn der Newsletter nicht sehr stark service-orientiert
arbeitet, wird er im Kundenkontakt keine große Rolle spielen.
Andererseits hätten die Versicherer große Chancen, mit wirklichem
Eins-zu-Eins-Marketing per E-Mail anhand der Kundendaten individuelle
Angebote zu unterbreiten.
2. Problem: Newsletter mit falscher Kommunikationsaufgabe
Bei unseren Newsletter-Optimierungen
konnten wir bei Kunden und ihren Wettbewerbern häufiger feststellen,
dass der Newsletter zu selten in die Gesamtkommunikation eingebunden
war.
Der Inhaltswahl und den Texten konnte der Analyst ansehen, dass
dem Newsletter oft eine klare strategische Aufgabe fehlte oder
das Ziel in dieser Form vom Newsletter nicht erreichbar war.
Kunden halten, Interessenten zu Kunden machen, Produkte verkaufen
- all das sind legitime Ziele und mögliche Aufgaben eines Newsletters.
Doch nicht immer lassen sich diese Ziele in jedem Unternehmen
auf dem einfachen Weg verwirklichen. Erst recht taugt nicht jeder
Newsletter dafür, alle drei Aufgaben gleichermaßen zu erfüllen.
Beispiel Newsletter eines Versandhändlers
Ein namhafter Versandhändler hat einen Newsletter mit einer ansehnlichen
Abonnentenzahl. Sein Ziel: mit dem Newsletter ausgewählte Produkte
aus dem Katalog zu verkaufen. Obwohl die einzelnen Newslettertexte
für die Zielgruppe und die Webkommunikation - kurze Teaser - angemessen
sind, werden über den Newsletter keine nennenswerte Umsätze erzielt.
Einer der Schwachpunkte hier: es gibt keinen hinreichenden Grund,
aus dem Newsletter heraus zu bestellen, da es einen guten gedruckten
Katalog gibt. Hier offenbart sich das Dilemma vieler großer Versandhändler:
1. Der Shop kann die übersichtlichere Struktur des Katalogs nicht
adäquat abbilden.
2. Lange Ladezeiten verschärfen die Unlust, über das Internet
zu bestellen.
3. Die Lese- und Bestellgewohnheiten der Versandhandelskunden
sind noch stark auf den traditionellen Katalog gerichtet.
4. Dem Newsletter fehlt der Extra-Nutzen.
Lösung: Newsletter als Zwischenschritt statt Verkaufsmedium
Wenn der Katalog das Hauptverkaufsinstrument ist, dann muss der
Newsletter eben genau diesen nächsten Schritt "Bestellen Sie unseren
Herbst-Katalog jetzt" als strategisches Hauptziel haben. Alle
Texte und Angebote sind konsequent diesem Ziel unterzuordnen.
Doch welche nützlichen Inhalte kann der Newsletter außer der Katalogbestellung
noch enthalten?
- reduzierte Waren anbieten
- neue Angebote hervorheben
- Hintergründe zu Materialien liefern
- Modetrends beleuchten
Newsletter - ein Standardwerkzeug mit individueller Strategie
Die größten strategischen Fehler von Newslettern sind:
1. mangelhafte Einbindung in die Gesamtkommunikation
2. zu viele oder falsche Kommunikationsziele und -aufgaben
Newsletter. Das klingt nach einer Standardlösung für Interessenten-
und Kundenkontakt. Doch das ist eine Fehleinschätzung. Für jedes
Unternehmen stellt sich die Aufgabe des Newsletters neu. Das gilt
meist auch für die gleiche Branche, was am Beispiel des Cosmos-direkt-Newsletters
deutlich wird. Dieser ist keineswegs ein Erfolgsmodell, das für
Iduna, Gothaer, Continentale und andere tauglich wäre.
Für jedes Unternehmen lautet die Antwort auf diese Fragen anders:
Was genau soll der Newsletter erreichen?
Was soll der Leser tun?
Newsletter haben dort Erfolg, wo sie ein eindeutiges Ziel formuliert
haben und dieses - in Abstimmung mit der Gesamtkommunikation -
konsequent verfolgen.
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