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Detlef Kröger/Marc André Gimmy: Handbuch zum Internet-Recht - Rezension

Von Karsten Büttner

Buchcover Handbuch InternetrechtDer Springer-Verlag legt mit der zweiten Auflage seines Handbuchs zum Internet-Recht ein Kompendium mit über 1.000 Seiten vor. Es ist von Juristen vornehmlich für Juristen geschrieben. Allerdings ist es auch für denjenigen aufschlussreich, der in seiner täglichen Marketing-Praxis mit Themen wie Vertragsabschlüsse im Internet, wettbewerbsrechtliche Fragestellungen oder Datenschutz konfrontiert ist.

Was das Buch nicht liefert, nicht liefern kann, sind handfeste "How-to"-Tipps zum Umgang mit bestimmten Vorgängen im Internet. Das Buch öffnet vielmehr die Augen dafür, was in der vergleichsweise neuen Welt der Teledienste noch an Regelungsbedarf besteht.

Da unterliegen einige Sachverhalte konkurrierenden Gesetzgebungen, anderswo fehlt schlichtweg eine Regelung, so dass es notwendig ist, aus verwandten Bereichen Rechtsprechungen heranzuziehen. Dass diese Analogien Probleme aufwerfen, verwundert nicht.

Das Handbuch klärt zum Beispiel, wo und in welcher Form datenschutzrechtliche Belange berührt werden, welche Art von Daten Logfiles (im juristischen Sinne) liefern, wie Cookies und Nutzungsprofile zu bewerten sind. So schreibt Flemming Moos:

"Zum Beispiel kann bei der Realisierung einer Warenkorb-Funktion beim Online-Shopping das Setzen eines Cookies zur Verbindungssteuerung während der Sitzung erforderlich und von den gesetzlichen Bestimmungen gedeckt sein. Soweit die in Cookie-Dateien gespeicherten Daten aber über das für die Inanspruchnahme der Dienste erforderliche Maß hinausgehen und nicht unmittelbar nach der Nutzung gelöscht werden, wie es diese Vorschriften zwingend vorsehen, wären sie nur aufgrund einer Einwilligung des Nutzers zulässig."

Noch komplizierter wird es, wenn man sich vor Augen hält, dass das Internet ein globales Kommunikationsmittel ist.

Was in dem einen Land erlaubt ist, wird in einem anderen Land als rechtswidriger Inhalt angesehen. Da es jedoch keine wirksamen Mittel gibt, Inhalte landesweit zu filtern, müssen die möglichen Regelungen auf andere Ebenen verlagert werden. Doch wie sollen - alleine EU-weit - sinnvolle Vorgaben gemacht werden? Welche Anstrengungen hier unternommen werden und was in den nächsten Jahren zu erwarten ist, darauf gibt das Handbuch kompetent Antwort.

Ein anderer Punkt in der internationalen Kommunikation sind die Kompetenzen zum Beispiel bei der Vergabe von Top-Level-Domains. Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) ist eine private Organisation mit einem starken US-amerikanischen Gewicht, die sich zum Beispiel um die Vergabe der numerischen Internet-Adressen oder der generischen Top-Level-Domains (also .de, .it, .ch etc.) kümmert.

Die ICANN trifft so weitreichende Entscheidungen, wie sie normalerweise sonst nur von Regierungen getroffen werden. Kein Wunder, dass die Vergabe länderübergreifender Top-Level-Domains Konflikte heraufbeschwört.

Das Handbuch wirft aber nicht nur Fragen auf, sondern beantwortet in guter akademischer Tradition die Sachverhalte in einer Tiefe, die einmalig ist. Es ist ein großer Verdienst des Verlages, das komplexe Thema hier zusammengetragen zu haben. Alleine die präzisen Literaturangaben und Fundstellen für Rechtsentscheidungen, die jeder Artikel aufweist, erlauben einen weitergehenden Einblick in die überaus komplexe Thematik.

Natürlich bleiben noch viele Bereiche selbst in einem 1000seitigen Handbuch ausgespart. So schreiben die Herausgeber - gänzlich ohne Koketterie - im Vorwort: "Wir sind sicherlich noch nicht so weit, die Materie des Internets aus der Perspektive des Juristen völlig durchdrungen zu haben oder gar diese Technik völlig zu 'beherrschen'."

Was bleibt ist Stoff für viele weitere Neuauflagen des Handbuchs. Einen einzigen Kritikpunkt habe ich allerdings: So ein Handbuch wäre ein klassisches Produkt für eine Loseblattsammlung, die viel schneller auch auf aktuelle Entwicklungen reagieren könnte und nicht die komplette Neuanschaffung eines Buches nach zwei Jahren erforderlich machte.

Detlef Kröger/Marc A. Gimmy:
Handbuch zum Internetrecht. Electornic Commerce - Infomrations-, Kommunkations- und Mediendienste. 2. aktualisierte und erw. Auflage. Heidelberg u.a. 2002, 1026 Seiten, 99,95 Euro

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