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Sie Kunden von Karteileichen unterscheiden und damit Kosten sparen
Wie Sie Kunden von Karteileichen unterscheiden und damit
Kosten sparen
Von Karsten Büttner
Viele Unternehmen nutzen ihre Datenbanken nicht effizient genug.
Die Folge: Für Karteileichen wird viel Geld ausgegeben, für potenzielle
Kunden und Stammkunden zu wenig. Wie sich der Kundenwert mit einfachen
Mitteln bestimmen und damit die Gewinne verbessern können, lernen
Sie in diesem Artikel.
Meine Frau hatte vor vielen Jahren ein einziges Mal von einer
Drogeriekette etwas bestellt und erhält seitdem in schöner Regelmäßigkeit
Werbeschreiben und Werbegeschenke des Unternehmens. Mit einfältigen
und falschen Werbeschreiben wird Ihre "Treue " zum Unternehmen
betont.
Trotz mehrfacher Dankesschreiben, dass sie künftig nicht mehr
vom Unternehmen umworben werden wollte, blieb das Marketingteam
hart. Wer einmal Kunde war, wird immer Kunde bleiben. Zumindest
in der Datei. Was für eine Fehlinvestition!
Kürzlich interessierten wir uns für einen Zaun, um den auf unserem
Grundstück befindlichen Teich vor unserer Tochter - oder umgekehrt
- zu schützen. Wir forderten bei einem Unternehmen einen Katalog
an, der sich auf das Thema spezialisiert hatte. Wenige Tage später
hatten wir einen dicken kostenfreien Katalog.
Doch irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen, was uns von
der Bestellung abhielt. Es waren noch einige Punkte bezüglich
Befestigung zu klären, die Länge hatten wir auch noch nicht exakt
ausgezirkelt, das Wetter spielte nicht mit. Dann war der Katalog
unauffindbar. Kurz: wir schoben das Thema auf die lange Bank.
Auch schade. Wir wären ja kaufbereit gewesen, wenn das Unternehmen
aktiv geworden wäre. Wir hätten unsere Fragen gestellt, hätten
möglicherweise eine intensive Beratung erhalten.
So waren an Material- und Portokosten mindestens 5 Euro und in
Personalkosten für Entgegennahme unseres Interesses, der Aufnahme
unserer Adresse sicherlich nochmals 5 Euro aufgewendet worden.
Dass solche Nachlässigkeit im Versandgeschäft kein Einzelfall
ist, konnte ich gerade wieder bei einem Büroartikel-Versender
studieren. Hier reagierte man dann allerdings schon nach der fünften
Kontaktaufnahme, dass ich ganz bestimmt nichts mehr bestellen
wollte.
Drei Fälle für Verschwendung von Marketingetats und fehlender
Kommunikation. Mögen Akademiker die Wertvernichtung ausrechnen.
Mir reicht eine grobe Schätzung der verlustbringenden Werbeschreiben
und verlorengegangenen Aufträge. Dabei ist es heute absolut leicht
- gerade für einen datenbankbasierten Handel - Karteileichen von
Kunden und profitable Kunden von weniger profitablen zu trennen.
Mit RFM den Kundenwert bestimmen
Die zentrale Idee: Aufgrund der erfassten Daten wird der-zeitiges
Verhalten und künftiges Verhalten auf Basis ma-thematischer Größen
interpretiert. Recency, Frequency und Monetary Value (RFM) sind
dabei die ausschlaggebenden Faktoren. Dieses ist ein allgemein
anerkanntes Konzept, einen Kundenwert zu bestimmen. Weiter unten
werden Sie sehen, dass das Konzept für das Online-Marketing ein
wenig modifiziert werden sollte.
Marketingleute haben festgestellt, dass jemand der vor kurzem
etwas bei einem Unternehmen gekauft hat, eher bereit ist, einen
erneuten Kauf zu tätigen, als derjenige, bei dem der Kauf länger
zurückliegt. Recency ist ein Faktor im Kernkonzept eines datengestützten
Marketings.
Die Häufigkeit (Frequency) einer Tätigkeit legt nahe, dass ein
Nutzer diese Tätigkeit wiederholt. Je mehr Geldwert (Monetary
Value) jemand mit dem Kauf erzeugt hat, desto eher wird er geneigt
sein, dieses fortzusetzen.
Wenn Sie anhand Ihrer Datenbank (bzw. der Berechnungen) eine
Person ausgemacht haben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas
tun wird, was werden Sie dann am besten tun? Richtig: Kontaktieren.
Ist es dann verwunderlich, dass die Konversionsrate dieser Personen
hoch ist? Kunden, die vor kurzem, häufig und einen hohen Einkauf
getätigt haben, sind eher bereit, einen weiteren Kauf zu tätigen
als diejenigen, die vor längerer Zeit, weniger oft und einen geringeren
Kauf getätigt haben.
Das RFM-Modell (Recency, Frequency, Monetary Value) funktioniert
in jedem Geschäft. Und es funktioniert für nahezu jede Art von
handlungsbezogenem Verhalten eines Kunden, egal ob es sich um
Verkauf, Besuch, Befragun-gen oder andere Sachverhalte handelt.
RFM als Warnsignal
Wenn die drei Faktoren Nähe zum Erstkauf, Häufigkeit und Geldwert
einen guten Kunden identifizieren, kann aus der Veränderung einer
der Faktoren auch geschlossen werden, dass Ihre Angebote aus irgendeinem
Grund nicht mehr attraktiv sind.
Das heißt, eine stets aktuelle Auswertung der Käufe kann Ihnen
einen Warnhinweis geben, ob ein guter Kunde auf dem Absprung ist.
Jetzt haben Sie noch Zeit zu reagieren. Haben Sie einen Kommunikationsplan,
wissen Sie welche Aktion (Anruf, E-Mail?) jetzt erfolgen muss,
um den Kunden zu halten?
Also, allein ein Blick auf die Zahlen kann Ihnen sagen, ob Ihr
Geschäft in eine positive oder negative Richtung marschiert.
Und so geht's ...
Sie nehmen Ihre guten Kunden und schauen sich einmal die Verkäufe
der letzten Zeit an. Nehmen wir mal an, dass Sie feststellen,
dass ein guter Kunde, der in den letzten 30 Tagen nicht bestellt
hat, auf dem Absprung ist. Dann legen Sie fest, dass der Grenzwert
zum Wiederkauf bei 30 Tagen liegt.
Wenn gute Kunden 10 Einheiten gekauft haben, dann legen Sie den
Grenzwert für Häufigkeit (oder Menge) auf 10.
Wenn gute Kunden durchschnittlich € 1000 ausgeben, ist dieses
die Meßlatte für den geldwerten Faktor.
Haben Sie diese Faktoren bestimmt, prüfen Sie, welcher Prozentteil
über und unter den Grenzwerten liegt.
Den Ergebnissen entsprechend folgt Ihre Kommunikation. Und die
ist in der Tat "customer driven".
Es wird Sie nicht verwundern, dass bei einer derartigen Berechnung
eine frappierende Ähnlichkeit zum Pareto-Prinzip festzustellen
sein wird. Die 20 Prozent der Kunden, die Ihnen 80 Prozent der
Gewinne bescheren, sind unter denen, die zeitlich am nächsten,
am häufigsten und mit dem höchsten Geldwert einkaufen. Wenn Sie
Ihre RFM-Kunden mit den höchsten Werten identifizieren können,
wissen Sie, wer am ehesten in nächster Zukunft kaufen wird.
RFM-Werte und Lebenszeitwert
Das RFM-Modell steht in inhaltlicher Nähe zu einem anderen datenorientierten
Marketing-Konzept: dem Lebenszeitwert (Life Time Value). Der Lebenszeitwert
beschreibt den Nettogewinn, den ein Kunde einbringen wird so lange
er Ihr Kunde ist.
Hat ein Kunde einen hohen RFM-Wert, dann ist die Wahrscheinlichkeit,
dass er Ihnen erhalten bleibt im Vergleich zum Kunden mit niedrigen
RFM-Werten wesentlich höher. Offenbar handelt es sich hierbei
um zufriedene Kunden. Also korrespondieren hohe RFM-Werte mit
einem hohen Lebenszeitwert eines Kunden (und umgekehrt).
Das RFM-Modell kann also als ein guter Indikator für zukünftige
Gewinne Ihres Unternehmens dienen. Nimmt der Prozentteil der Kunden
über dem RFM-Grenzwert ab, nehmen die Umsätze in naher Zukunft
ab.
Das RF-Konzept für Online-Marketer
Hatten wir an unterschiedlichen Stellen erwähnt, dass Online-Marketing
sich vom traditionellen Marketing stellenweise unterscheidet,
so trifft das auf diesen Bereich insbesondere zu. Der Online-Marketer
Jim Novo hat nämlich festgestellt, dass die Häufigkeit (Frequency)
in den meisten Fällen nur ein Repräsentant für den Geldwert (Money
Value) ist. Anders gesagt: Je häufiger ein Kunde kauft, desto
mehr Gewinn erwirtschaftet das Unternehmen.
Und diese Überlegung trifft gerade dort zu, wo Kunden es in der
Hand haben, wann immer sie wünschen, etwas tun und außerdem einfach
tun können. Diese Möglichkeit sofort handeln zu können, verändert
das Verhalten von Konsumenten nachhaltig.
Für unsere Berechnung bedeutet das aber: Nutzt man den Wert M
(Money Value = Geldwert) im Zusammenhang mit R (Recency) und F
(Frequency), dann hat das den Effekt, dass die R- und F-Werte
gemildert werden. Das aber hat zur Folge, dass Sie Veränderungen
nicht mehr so leicht erkennen können. Also bieten die alleinig
gebrauchten Werte Recency und Frequency eine bessere Vorhersage
für Veränderungen.
Ein anderes Problem besteht, wenn der Wert M einbezogen wird
außerdem, dass man den Kundenwert nur für einen kurzen Zeitraum
erhebt. Dann kann ein Kunde zu schnell ein A bekommen, obwohl
er eigentlich schon auf dem Absprung ist.
Nur hat er eben einmal für eine hohe Summe eingekauft und rangiert
deswegen vor anderen Kunden. Ein ähnliches Problem besteht auch
bei einem niedrigen M-Wert mit gleichzeitig hohen R- und F-Werten.
Internet-Kunden sind eine eigene Spezies
Dieses mag zunächst einmal akademisch anmuten. Doch im Internet
stellt sich der Lebenszeitwert des Kunden ein wenig anders dar
als in der restlichen Welt.
Ein spezifisches Verhalten (Besuch, Kauf) nimmt anfangs im Internet
schneller zu, um dann gegen Ende aber auch schneller abzunehmen.
Der Grund dafür mag darin liegen, dass Internet-Nutzer nur kurze
Aufmerksamkeits-Phase haben und gleichzeitig ein breites Angebot.
Internet-Nutzer können sich offenbar sehr schnell für etwas begeistern.
Man vermutet, dass dieses Verhalten quasi Kraft von ansonsten
späteren Aktivitäten abzieht.
Weil also ihr Verhalten vergleichsweise abrupt abläuft, ist es
sinnvoll diesen Prozess möglichst früh zu erkennen. R und F sind
also die zentralen Variablen zur Vorhersage von Kundenverhalten,
weil M der schwächste Faktor ist und in F ohne repräsentiert wird.
Außerdem würde der Wert für nicht-kaufbezogene Aktivitäten nicht
anzuwenden sein, also nur begrenzten Aussagewert für das Internet
besitzen. Nebenbei: es ist leichter mit zwei statt drei Variablen
zu arbeiten.
Wie Sie nun konkret den Kundenwert bestimmen können, zeige ich
Ihnen hier. Nehmen Sie einmal an, dass Sie einen Kunden gewonnen
haben.
Dieser neue Kunde erhält einen Startwert von 25 Punkten.
Für Werbeaufwendungen werden Punkte abgezogen, für Käufe werden
Punkte addiert.
| Faktoren |
Start
|
25 Punkte
|
Letzer Kauf
bis x Monate
-------
Punkte |
bis 6
+40 P
|
bis 9
+25 P
|
bis 12
+15 P
|
bis 18
+5 P
|
bis 24
-5 P
|
24 +
-15 P
|
| Häufigkeit
d. Einkäufe pro Jahr |
Zahl
der Aufträge multipliziert mit Faktor 6 |
|
Anzahl der Retouren
---------
Punkte
|
0-1
0 P
|
2-3
-5 P
|
4-6
-10 P
|
7-10
-20 P
|
11-15
-30 P
|
15 +
-40 P
|
| Zahl der Werbeaussendung
seit letztem Kauf |
Hauptkatalog
-12 Punkte
|
Sonderkatalog
-6 Punkte
|
Mailing
je -2 Punkte
|
Beispiel
|
Wert des Kunden A:
25 Punkte
40 Punkte ( Einkauf < 6 Mo.)
30 Punkte (5 Einkäufe)
- 5 Punkte (2 Retouren)
-18 Punkte (Kataloge)
-12 Punkte (6 Mailings)
+ 60
|
Wert des Kunden B:
25 Punkte
5 Punkte (Einkauf >= 18 Mo)
12 Punkte (2 Einkäufe)
-5 Punkte (2 Retouren)
-18 Punkte (Kataloge)
-16 Punkte (8 Mailings)
+ 3
|
Wenn Sie allerdings für einen Kunden tatsächlich einen Wert von
+3 ermittelt hätten, dann hätten Sie entweder die Warnsignale
vorher nicht wahrgenommen oder nicht regelmäßig Ihre Daten überprüft.
Bereits bei einem Check nach 6 Monaten hätten Sie wohl feststellen
müssen, dass nur zwei Einkäufe getätigt wurden und außerdem der
Kunde mit einem oder mehreren Produkten möglicherweise nicht zufrieden
war.
Hier hätten Sie nun in die Korrespondenz schauen müssen, warum
die Retouren erfolgten. Vielleicht fühlte sich der Kunde ja von
Ihnen schlecht bedient? Vielleicht haben Ihre Mitarbeiter nicht
adäquat auf die Rücksendung reagiert?
Unsere Drogeriekette hätte mit so einem Modell genauso wie der
Büroartikelanbieter oder Zaunhersteller gewinnen können. Sie hätten
eine situations- und kundenorientierte Kommunikation mit vorher
definierten Eskalationsstufen in Gang gesetzt. Und ich garantiere
Ihnen, dass Sie damit auf der einen Seite Gelder für Karteileichen
sparen und mit den freigewordenen Ressourcen die Kunden besser
bedienen können, die es verdient haben.
Kundenbeziehungs-Management ist also mehr als nur ein Zahlenspiel,
mit dem Sie Ihren Kunden bewerten. Die Zahlen können und sollen
nur Material für Entscheidungen liefern.
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