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Artikel Zukunft
des E-Mail-Marketings: Der große Bruder beobachtet nicht mehr,
er filtert gleich
Stichworte: E-Mail-Marketing, ISP, E-Mail-Provider,
Filter, Zensur, Newsletter-Versand, Yahoo,
Zukunft des E-Mail-Marketings
Der große Bruder beobachtet nicht mehr, er filtert gleich
Von Karsten Büttner
Immer
mehr Newsletter amerikanischer Herausgeber ent-halten kuriose
Sonderzeichen in den Wörtern. Hilflose Reaktionen auf E-Mail-Provider,
die ihre legitimen E-Mails einfach nicht ausliefern, weil bestimmte
Signalworte den Versendern nicht passen.
So war in Ralph Wilsons Newsletter folgendes zu lesen:
"To give you an extra
learning boost, I'd like to offer you eight of my other e-books
worth $176 as an absolutely fre* seminar registration b*nus, including
my popular Shopping Cart Report (regularly $34.95)."
Wilson entschuldigt sich für die Ersetzung mit der Begründung,
dass es immer schwieriger sei, seinen Newsletter über seinen Internet
Provider zu versenden. Der Hintergrund: die Provider gehen dazu
über, E-Mails vor dem Versand beziehungsweise der Zustellung auf
Spam zu überprüfen. Sie tun dieses mit Filtern, die auf bestimmte
Wörter reagieren. Da zu den beliebtesten Ausdrücken der Spammer
auch "free" oder "bonus" gehören, ist letztlich das gesamte seriöse
Direktmarketing mit betrof-fen.
Hören Sie gerne medireview music?
Auf eine sehr interessante Filter-Art machte der Heise-Newsticker
Mitte Juli aufmerksam. Yahoo filtert zum Bei-spiel E-Mails, um
Skriptsprachen-Angriffen vorzubeugen. Der Autor, Janko Röttgers,
schreibt dazu: "Ein Mocha ist eben nicht nur ein leckerer starker
Kaffee mit Kakao, sondern auch der interne Projektname der Javascript-Entwickler
für ihre Skript-Sprache. Bei älteren Netscape-Versionen konnte
"mocha:" deshalb alternativ zu "javascript:" genutzt werden -
Grund genug für Yahoo, den Begriff in den Mails seiner Kunden
gegen "Espresso" auszutauschen." (http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/12905/1.html)
Geradezu wortschöpferisch ist auch, dass Yahoo nicht nur den
alleinstehenden Begriff "eval" durch "review" ersetzt, sondern
das auch in Wortkombinationen tut. Wenn Sie sich also demnächst
über "medireview music" wundern, sollten Sie die Rückübersetzung
parat haben.
Betroffen davon sind deutsche Yahoo-Benutzer, wenn sie Ihre E-Mails
per Web-Interface abrufen und die Mail als HTML verschickt wird.
Nur wer sein eigenes Mailprogramm nutzt, ist von den eigenwilligen
Ersetzungen nicht betroffen.
Was sich zunächst wie ein schlechter Scherz anhört, ist Wirklichkeit.
Wer unter google.com nach dem seltsamen Begriff medireview sucht,
wird mit 1.800 Einträgen belohnt. Dass die Praxis der zensorischen
Filterung durch Provider auch in Deutschland verstärkt Einzug
halten wird, ist ausgemachte Sache beziehungsweise schon in Praxis.
Ein Experiment
Im Rahmen einer Diplomarbeit haben Dragan Espenschied und Alvar
Freude den Server Ihrer Uni zu manipulieren. Sie schreiben: "Mit
einer selbst entwickelten Filter-Software war es uns möglich,
fast alle von Studenten besuchten Websites zu protokollieren und
auch alle Web-Inhalte nach Belieben zu verändern." Sie veränderten
aktuelle Meldungen auf Nachrichten-Sites, selbst Wörter in privater
E-Mail-Kommunikation, die per Web-Interface abgerufen wurde. Und
niemand merkte etwas. Noch mehr beunruhigen sollten die Reaktionen
danach. Nachzulesen unter: http://www.odem.org/insert_coin/
Wie Sie *** mit ***
Wie die Zukunft des E-Mail-Marketings damit aussehen wird, ist
eine Frage. Was diese Eingriffe im rechtlichen Bereich bedeuten
eine andere. Denn Internet Provider sind nach dem Teledienstegesetz
(TDG) zumindest in Deutschland lediglich Transporteure von Informationen
und nicht für die Fracht verantwortlich.
Wenn dem so ist, dann wäre auch zu fragen, ob ein Provider, der
Newsletter filtert, sich nicht strafbar macht. Denn er muss ja
die Newsletter lesen oder ein technisches Verfahren anwenden,
das die Inhalte erfasst. Allein dieses wäre wohl schon als eine
Verletzung des Fernmeldegeheimnisses anzusehen. Wer die Mails
dann auch noch unterdrückt, wird sich möglicherweise nach §303a
StGB (Datenunterdrückung) strafbar machen. (Beachten Sie in diesem
Absatz besonders den Konjunktiv.)
Hier erwarten wir in nächster Zeit noch spannende Diskussionen
zwischen verschiedenen juristischen Auffassungen. Mehr Informationen
zum Thema Filtern von Informationen im Internet finden Sie unter
http://www.odem.org
Dieser Artikel steht auf:
http://online-marketing-praxis.de/tipps/artikel/100204.php3
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