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Sie für Ihre Aufmerksamkeits-Strategie wissen sollten
Was Sie für Ihre Aufmerksamkeits-Strategie wissen sollten
Von Karsten Büttner
Aufmerksamkeit ist nicht vermehrbar. Und dennoch kann man von
der Mehrzahl Aufmerksamkeiten sprechen. Diese scheinbar einfachen
Aussagen haben Konsequenzen für das Marketing.
Aufmerksamkeit lässt sich nicht vermehren
Versteht man Aufmerksamkeit als Zeitbudget, so ist Aufmerksamkeit
nicht vermehrbar, sondern nur teilbar. Nun mag mancher einwenden,
dass Multitasking - also das gleichzeitige Erledigen mehrerer
Tätigkeiten - gängige Praxis ist.
Doch richtig erfolgreich ist Multitasking nicht. Bei Autounfällen
sind wesentlich mehr Fahrer Verursacher, die gleichzeitig tele-
foniert haben. Die Fehlerquote bei der Arbeit von *Multitaskern*
ist höher als die der im wesentlich sequentiell arbeitenden Menschen.
Dass wir in nächster Zeit einen Entwicklungssprung machen und
die nächste Menschengeneration aufnahmefähiger wird, ist gering.
Es gibt also biologische Grenzen für Aufmerksamkeit.
Weil die Zeit ein Gut ist, das nicht vermehrt, sondern nur geteilt
werden kann, bedeutet es schon viel, wenn ein Besucher einer Website
seine Zeit widmet. Dafür erwartet er aber einen Gegenwert.
Was bieten Sie dafür, dass Ihnen jemand seine wertvolle Zeit
widmet? - Diese Frage müssen Sie sich stellen, bevor Sie Ihre
Aufmerksamkeitsmaßnahmen installieren.
Die Antwort, die eine Dienstleistung oder ein Produkt benennt,
ist nicht ausreichend. Welchen *Nutzen* können Sie auf Ihrer Website
vermitteln, um Ihre eigentlichen Leistungen zu verkaufen? Das
ist der zentrale Punkt.
So sind der Nutzen und die Aufmerksamkeit eng miteinander
verbunden, ohne Geschwister zu sein. Es ist eine zweckorientierte
Partnerschaft.
Die meiste Aufmerksamkeit bekommt derjenige, der sein Angebot
nutzenorientiert präsentiert. Wir können auch sagen: an den Bedürfnissen
der potenziellen Kunden orientiert. Doch diese Bedürfnisse sind
nicht immer gleich.
Überlegen Sie einmal, in welchen Situationen Sie über Internet-Medien
auf neue Informationen stoßen. Aufmerksamkeit und typische Situationen
- Gezieltes Suchen in Suchmaschinen
- Verweise von anderen Websites
- Hinweise in persönlichen E-Mails
- Hinweise in Foren oder Mailinglisten
- Anzeigen in Newslettern
- Anzeigen auf Websites
- Anzeigen in Suchmaschinen
Ich vermute, dass Ihre Aufmerksamkeit sehr unterschiedlich sein
wird. Sie hängt von der speziellen Interessenslage ab, oder? Thomas
Wirth geht jedenfalls davon aus, dass es verschiedene Aufmerksamkeiten
gibt:
Verschiedene Aufmerksamkeiten
Thomas Wirth (http://www.kommdesign.de) unterscheidet schwebende
und fokussierte Aufmerksamkeit.
| Schwebende Aufmerksamkeit |
Fokussierte Aufmerksamkeit |
| viele Informationen werden gleichzeitig beachtet
("parallele Verarbeitung") |
wenige Informationen werden seriell verarbeitet |
| sehr sensibel für Ablenkung |
hohe Resistenz gegen Ablenkung |
| kein eindeutiges Kapazitätslimit |
enges Kapazitätslimit |
| Wahrnehmung uneindeutiger, widersprüchlicher
Informationen |
Suchen eindeutiger Informationen, Steuerung
von Handlungen |
| reagiert eher unsystematisch auf Informationen
|
reagiert gezielt, mit klaren Prioritäten auf
Informationen |
| Bewußtsein tritt in den Hintergrund |
bewußt kontrolliert |
| tritt auf, wenn es keine gerichteten Motivationen
oder Ziele gibt |
tritt auf in Verbindung mit der Verfolgung eines
konkreten Ziels |
| reagiert auf / verarbeitet alle Arten von Information
in allen Sinneskanälen |
reagiert auf / verarbeitet sprachliche Information |
Quelle: Thomas Wirth, http://www.kommdesign.de
Schwebende Aufmerksamkeit ...
... ist typisch für den Surfer, der sich zu einem für
ihn neuen Thema informieren will. Er weiß nichts oder nur
wenig und ist bereit, viele Informationen aufzunehmen. Er will
sich ein Bild machen. Aber er ist in dieser labilen Situation
leicht abzulenken. Reizwörter sind es schließlich, die
ihn zum Klicken bewegen. Nun scannt er eine Seite nach brauchbaren
Informationen.
Gewisse Reize leiten den Suchenden dabei. Das können Überschriften
sein, das können einzelne hervorgehobene Begriff sein oder Abbildungen.
In dieser Situation muss es Ihnen gelingen, ein einfaches Herunterladen
oder Ausdrucken der Informationen zu ermöglichen.
Gut ist es, wenn er jetzt gleich sehen kann, dass es zu diesem
Thema bei Ihnen noch mehr gibt. Mindestens aber sollte Ihr Interessent
die Möglichkeit haben, einfach zu Ihnen wieder Kontakt
herzustellen.
Das heißt: der Interessent muss zu einem späteren Zeitpunkt die
Quelle seines Downloads erkennen können, ohne in den Quelltext
gehen zu müssen. Er muss auch genügend Anlaß haben, auf Ihre Website
zurückzukehren, um weitere Informationen anzufordern.
Er könnte aber auch Interesse haben, direkt zu Ihnen Kontakt
herzustellen.
Fokussierte Aufmerksamkeit ...
... ist typisch für den Suchmaschinennutzer, der etwas Bestimmtes
wie zum Beispiel einen Aufsitzrasenmäher sucht. Daher muss es
Ihnen gelingen, dem Suchenden gleich in den ersten zwei bis vier
Zeilen zu vermitteln: Wir haben eine Lösung für Sie.
Sie merken hier sicherlich, dass eine Aufmerksamkeitsstrategie
in eine Gesamtstrategie integriert werden muss. Sorgen Sie dafür,
die einmalige Aufmerksamkeit in Interesse zu verwandeln. Gelingt
Ihnen das nämlich nicht, verschwenden Sie Ihren Marketingetat.
Eine gute Aufmerksamkeitsstrategie konzentriert sich daher darauf,
zunächst einmal die Interessenten von den Nicht- Interessierten
zu scheiden. Dann können Sie nämlich einen großen Teil Ihres Werbeetats
auf die Interessierten verwenden.
Mehr Informationen zu "Aufmerksamkeit"
Thomas H. Davenport/John C. Beck: The Attention Economy. Understanding
the New Currency of Business. Harvard Business School 2003.
http://www.attentionbook.com
Thomas Wirth: Missing Link. Über gutes Webdesign. Leseprobe zum
Thema Aufmerksamkeit: http://www.kommdesign.de/buecher/leseprobe.pdf
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